Informationstechnik

Cloud-Computing wird zum Normalfall

 Quelle: http://www.vdi-nachrichten.com/Technik-Wirtschaft/Cloud-Computing-Normalfall

Von Peter Kellerhoff | 9. Januar 2015 | Ausgabe 1

Experten halten Cloud-Computing für die größte IT-Umwälzung aller Zeiten. Vor allem im kommenden Jahr wird sich die IT-Nutzung in der Wolke zum Normalfall etablieren. Dabei sind die Gründe schon lange nicht mehr der Preis und die einfache Finanzierung. Vor allem die größere Flexibilität gilt heute als treibende Kraft für den Wechsel in die Cloud.

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Foto: hywards/Fotolia

Die Wolke schwebt über allem: Am Cloud-Computing geht meist kein Weg vorbei.

Schon vor einem Jahr haben die Analysten von Gartner und IDC dem Cloud-Computing eine rosige Zukunft prophezeit – und sie haben Recht behalten. „Cloud-Computing ist der neue Normalfall; wir erleben derzeit die größte technologische Revolution der IT-Geschichte“, sagt Andy Jassy, Chef des größten Cloud-Providers Amazon AWS.

Seiner Ansicht nach findet der Wechsel von In-House-Lösungen zum Cloud-Computing in allen Branchen und bei allen Unternehmensgrößen statt. Viele Firmen haben inzwischen ihre gesamte IT abgeschafft und lassen alles in der Cloud rechnen. Dazu gehören sowohl junge Unternehmen, wie Pinterest, AirBnB, Spotify und Dropbox, als auch etablierte Unternehmen, wie die Hotelkette Kempinski, der Video-Streaming-Dienst Netflix und der Medienkonzern Time.

Amazon hat eigenen Angaben zufolge über eine Million professionelle IT-Kunden, worunter sich 900 Behörden und 3400 Hochschuleinrichtungen befinden. Im letzten Jahr gab es ein Wachstum von 40 % und die Analysten von Gartner positionieren Amazons Infrastruktur mit weitem Abstand als führendes Angebot.

„Die Gründe für einen Wechsel zur Cloud haben sich in jüngster Zeit gewaltig geändert“, sagt Amazon-Analyst David Smith. „Waren es anfangs vor allem Kosten- und Finanzierungsvorteile, die für die Cloud sprachen, so sind es heute vor allem Business-Gründe, die für einen Wechsel sprechen.“ Damit meint er vor allem eine wesentlich größere Flexibilität bei der IT-Unterstützung der Fachbereiche, eine schnellere Software-Entwicklung und eine bessere Integration von weit verteilten IT-Operationen.

Trotz der Erfolge bei den externen Cloud-Anbietern – bei den Großunternehmen wird weiterhin ein Mix aus In-House und externer Cloud der Normalfall sein. „Es gibt immer noch viele individuelle Anwendungen, die praktisch nicht Cloud-fähig sind und noch auf Jahre hinaus In-House betrieben werden“, sagt George Kurian, Cloud-Chef beim Speicheranbieter NetApp. Diesen sogenannten Hybrid-Clouds gehört im oberen IT-Segment eindeutig die Zukunft – wobei sich aber eine Verschiebung zugunsten der externen Cloud abzeichnet.

„Früher oder später werden alle großen internen Rechenzentren (RZ) zum Bestandteil einer Hybrid-Cloud mutieren – es ist alles nur eine Frage von passenden Angeboten“, wagt Holger Mueller, Analyst bei Constellation Research, einen Blick in die Zukunft.

Ein weiterer Schub für den aufziehenden Cloud-Boom entstammt der Software-Entwicklung. „Bei den Entwicklern lautet heute die Vorgabe: Cloud und Mobile first – Desktop-Lösungen müssen warten“, meint Jeff Barr, der sich selbst als Amazons Technologie-Evangelist bezeichnet. Die Analysten von IDC bestätigen das. So würden in den nächsten sechs Jahren 90 % der 5 Mrd. $, die für Internet und Kommunikation ausgegeben werden, auf Cloud-basierte Technologien entfallen.

Bei Forrester weist man darauf hin, dass derzeit zwar nur 20 % der Großunternehmen eine Cloud-Lösung nutzen, doch die Aussichten sind auch dort euphorisch. So hätten nahezu alle IT-Chefs in einer Befragung gesagt, dass bei jeder neuen Software zunächst geprüft wird, ob es eine fertige Lösung aus der Wolke gibt. „Cloud-first bedeutet bei vielen CIOs vor allem eine Nutzung von Software-as-a-Service statt des traditionellen Lizenz-Erwerbs“, sagt Forrester-Analyst James Staten.

Die schärfsten Konkurrenten zu Amazons AWS sind IBM, Microsoft und Google, die alle ebenfalls von dramatischen Zuwachsraten und hohen Investitionen berichten. IBM hat in den letzten beiden Jahren rund 2 Mrd. $ in seine Cloud-Angebote investiert. Auch der einst auf Lizenzverkäufe eingeschworene Software-Riese Oracle konzentriert sich jetzt voll auf das Cloud-Geschäft. Über 4 Mrd. $ wurden hierzu für Akquisitionen und Service-Erweiterungen ausgegeben.

Alle großen Infrastrukturanbieter werben damit, dass man beliebig viel Rechenleistung per Mausklick abrufen kann. Amazon berichtet beispielsweise von einem Biotech-Kunden, der für eine Analyse ein paar Tausend Server für elf Stunden parallel genutzt hat. Das alles kostete nur 4000 $. Wogegen die Anschaffung und der In-Haus-Betrieb dieser Rechenleistung ein Vielfaches davon verschlungen hätte – und weiterhin verschlingen würde.

Doch trotz dieser beeindruckenden Zahlen sagt keiner der großen Provider, wie groß die installierte Rechenleistung tatsächlich ist. Es gibt dazu nur Schätzungen. So meint die New York Times, dass Amazon und Google jeweils rund 10 Mio. Server im Einsatz haben. Microsofts Azure-Plattform soll dagegen „nur“ 1 Mio. Server nutzen. In jedem Fall aber genug, um auch für eine zunehmende Nutzung bestens gerüstet zu sein.

Laut dem aktuellen „Cloud Vendor Benchmark 2014“ der Experton Group wird der Cloud-Computing-Markt Deutschland voraussichtlich von 6,62 Mrd. € in diesem Jahr in 2015 auf 9,23 Mrd. € anwachsen. 2013 lag das Marktvolumen noch bei 4,52 Mrd. €.  HARALD WEISS

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